Wo Fuhrmannsleute einst einkehrten

Die Weilersiedlung Spreng, erstmals erwähnt im 8. Jahrhundert,  gehörte zur ehemals selbständigen Gemeinde Ober-Kainsbach und ist heute Bestandteil der Großgemeinde Reichelsheim. Die Gründung dieses Weilers geht auf den Bau der „Staatsstraße“, der heutigen Bundesstraße 47 zurück, die seit 1838 zwischen Gersprenz und Michelstadt das Gersprenz- mit dem Mümlingtal verbindet.

1838 entschloß sich der am 23. September 1821 in Ober-Kainsbach geborene Johann Philipp Hartmann, an dieser Straße eine „Fuhrmannshalte“  zu bauen, die als Gasthaus „Zur Spreng“ über 120 Jahre hin zur Einkehr einlud und weithin bekannt war.

Der mit der aus Fränkisch-Crumbach stammenden Maria Elisabeth Rauth verheiratete Hartmann bekam als Mitgift von seinen Eltern nicht nur den Hausplatz für sein Vorhaben, sondern auch 6,9 ha Wald, Ackerland und Wiesen, was ihm die Haltung von Kühen als Zugvieh und die Betreibung eines landwirtschaftlichen Betriebes ermöglichte.

In dem ursprünglich einstöckig erbauten Wirtshaus waren die Platzverhältnisse entsprechend beengt. Auf engstem Raum waren hier die Wirtsstube, eine kleine Wohnung, Stallung für das eigene Vieh und die Pferde der Fuhrleute untergebracht, die hier bei der Einkehr ins Wirtshaus ihre Zugtiere einstellen und füttern konnten.

hilipp Hartmann, dessen Initialen (18 P.H.43) bis heute im Sturz über dem Haupteingang erhalten blieben, verkaufte sein Anwesen 1854 und zog mit seiner Familie nach Fränkisch-Crumbach. Nachfolgebesitzer wurde der ebenfalls aus Ober-Kainsbach stammende Leonhard Spatz, der mit Elisabeth Margaretha Hartmann, der Schwester von Philipp Hartmann, verheiratet war.

Auch Leonhard Spatz hat Spuren hinterlassen, vermutlich auch das Gast- und Wohnhaus erweitert. In der Fensterbank rechts neben dem Haupteingang ist eingemeißelt: L SP 1854 bis 1858.

 

Spatz hat das Wirtshaus anscheinend nur bis 1858 betrieben und aus heute nicht mehr bekannten Gründen verkauft. Als Nachfolgebesitzer erscheint später Leonhard Heist, der wiederum, wie seine Ehefrau Anna Margaretha Trautmann, in Ober-Kainsbach geboren war. Heist starb, erst 26 Jahre alt. Seine Witwe heiratete in zweiter Ehe 1869 Peter Rausch aus Laudenau und nach dessen Tod Nicolaus Rausch aus Ober-Ostern. Christian Wilhelm Schwinn, ein 1866 in Kirch-Brombach geborener Gastwirtssohn (Zum Engel) heiratete 1892 Anna Margaretha Rausch, die Tochter der vorangegangenen „Sprengswirtin“ aus zweiter Ehe.

Schwinn starb 1913, erst 47 Jahre alt. Als Gast- und Landwirt hatte man ihm auch das Amt des Rechners der Gemeinde Ober-Kainsbach übertragen. Seite Witwe, unter dem Namen „Sprengs Annekrait“ bekannt, überlebte ihn um 27 Jahre. Sie starb 1930. Ihr Sohn Wilhelm Schwinn übernahm das Anwesen. Er war Reichstagsabgeordneter und später Kreisleiter der NSDAP.

Von ihm und seiner aus Brensbach stammenden Ehefrau wurde die Land- und Gastwirtschaft noch weit über die Nachkriegszeit hinaus betrieben, später verpachtet und schließlich aufgegeben. Die zugehörigen Wirtschaftsgebäude, Scheune, Stallungen und Garage wurde vor einigen Jahren zum Zweck der Neugestaltung der Straßeneinmündung Mossau-Zell abgerissen. An ihrer Stelle entstand ein neues Stallgebäude und etwas oberhalb ein neues geräumiges Wohnhaus.

Einen Teil des Grundstücks wurde von den jetzigen Inhabern Wilfried und Ute Heberer dem Tierschutzverein Tiere in Not Odenwald e. V. zur Verfügung gestellt, der ein Hundehaus errichtete und dort in Not geratene Hunde beherbergt. Das ehemalige Gasthaus mit angebautem Tanzsaal wurde teils für Wohnzwecke teils als Seminarraum und Ferienwohnung umgebaut.